Wenn ein Kind in der Schule Schwierigkeiten hat, stellen sich Eltern häufig die Frage: „Liegt es an den Augen?" Die Beziehung zwischen Sehen und Lernen ist ein wichtiges Thema, das oft zu Missverständnissen führt. Eine klare Einordnung hilft, die richtigen Massnahmen zu ergreifen.
Lernstörungen (auch Lernschwierigkeiten oder Lernbehinderungen) sind neurologisch bedingte Beeinträchtigungen, die die Verarbeitung von Informationen im Gehirn betreffen. Sie können sich auf verschiedene Bereiche auswirken:
Etwa 15 bis 20% der Bevölkerung sind von einer Lernstörung betroffen. Kinder mit Lernschwierigkeiten haben in der Regel eine normale Intelligenz und verfügen häufig über besondere Stärken in anderen Bereichen. Die Dyslexie ist die häufigste Form.
Nein. Lernstörungen sind keine Folge von Augenproblemen. Dyslexie beispielsweise ist eine Störung der Sprachverarbeitung im Gehirn: Die Augen selbst sind dabei gesund. Kinder mit Dyslexie sehen die Buchstaben nicht „verdreht" oder „spiegelverkehrt", wie häufig angenommen wird; ihr Gehirn verarbeitet die sprachlichen Informationen anders.
Auch wenn Augenprobleme keine Lernstörungen verursachen, können sie das Lernen zusätzlich erschweren:
Deshalb empfehlen wir: Jedes Kind mit Lernschwierigkeiten sollte eine umfassende orthoptische & augenärztliche Untersuchung erhalten, um behandelbare Sehprobleme auszuschliessen oder zu korrigieren.
Sogenannte Sehtherapien oder „Vision Therapy"-Programme versprechen mitunter, Lernstörungen wie Dyslexie durch Augenübungen oder spezielle Brillen zu behandeln. Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist nicht vorhanden. Grosse augenärztliche und pädiatrische Fachgesellschaften, darunter die American Academy of Ophthalmology und die American Academy of Pediatrics, kommen übereinstimmend zum Schluss:
Bewährte Massnahmen umfassen: