Bei der Konvergenzinsuffizienz können die Augen beim Blick auf nahe Gegenstände nicht ausreichend nach innen gerichtet (konvergiert) werden. Während das Sehen in die Ferne unauffällig ist, driftet bei der Naharbeit (etwa beim Lesen, Schreiben oder bei der Bildschirmarbeit) ein Auge nach aussen ab. Dies beeinträchtigt das koordinierte Zusammenspiel beider Augen und kann zu vielfältigen Beschwerden führen.
Bei einer Exotropie (Aussenschielen) weicht ein Auge sowohl in der Ferne als auch in der Nähe nach aussen ab. Bei der Konvergenzinsuffizienz hingegen sind die Augen beim Blick in die Ferne gerade ausgerichtet: Die Abweichung tritt nur bei Nahfixation auf. Diese Unterscheidung ist für die richtige Therapiewahl wichtig.
Die Beschwerden treten typischerweise bei länger andauernder Naharbeit auf:
Nicht alle Betroffenen haben gleich ausgeprägte Symptome. Manche haben trotz messbarer Konvergenzschwäche keine Beschwerden: In diesem Fall ist keine Behandlung nötig.
Die Diagnose wird durch Augenärzte oder Orthoptisten gestellt. Dabei werden folgende Parameter untersucht:
Eine Therapie wird nur empfohlen, wenn tatsächlich Beschwerden bestehen. Die Behandlung richtet sich nach Alter, Symptomstärke und den individuellen Bedürfnissen.
Übungen zum gezielten Training der Augenkonvergenz gelten als wirksamste Therapie. Sie können zu Hause oder unter Anleitung einer Orthoptistin durchgeführt werden:
Prismengläser in der Brille können die Naharbeit erleichtern, indem sie den Konvergenzbedarf reduzieren. Sie werden jedoch in der Regel nur vorübergehend eingesetzt, da sie die eigentliche Konvergenzfähigkeit nicht trainieren.
Das Abdecken eines Auges (Patching) ist bei Konvergenzinsuffizienz nicht sinnvoll, weil gerade das Zusammenspiel beider Augen trainiert werden muss.
Eine Operation ist nur sehr selten notwendig und wird erst in Betracht gezogen, wenn Übungen und Prismengläser über längere Zeit keine Besserung bringen.
Bei manchen Betroffenen können die Beschwerden nach Krankheit, Schlafmangel, Stress oder intensiver Naharbeit erneut auftreten. In solchen Fällen kann ein erneuter Übungszyklus helfen.
Patienten mit Konvergenzinsuffizienz können gleichzeitig an Fehlsichtigkeiten oder Akkommodationsschwächen leiden. Diese sollten erkannt und behandelt werden, da sie die Konvergenzbeschwerden verstärken können.
Mit konsequenter Durchführung der Konvergenzübungen bessern sich die Symptome bei den meisten Betroffenen deutlich. Regelmässige Kontrollen helfen, den Therapieerfolg zu überprüfen und bei Bedarf die Behandlung anzupassen.