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Konvergenzinsuffizienz

Bei der Konvergenzinsuffizienz können die Augen beim Blick auf nahe Gegenstände nicht ausreichend nach innen gerichtet (konvergiert) werden. Während das Sehen in die Ferne unauffällig ist, driftet bei der Naharbeit (etwa beim Lesen, Schreiben oder bei der Bildschirmarbeit) ein Auge nach aussen ab. Dies beeinträchtigt das koordinierte Zusammenspiel beider Augen und kann zu vielfältigen Beschwerden führen.

Unterschied zur Exotropie

Bei einer Exotropie (Aussenschielen) weicht ein Auge sowohl in der Ferne als auch in der Nähe nach aussen ab. Bei der Konvergenzinsuffizienz hingegen sind die Augen beim Blick in die Ferne gerade ausgerichtet: Die Abweichung tritt nur bei Nahfixation auf. Diese Unterscheidung ist für die richtige Therapiewahl wichtig.

Symptome

Die Beschwerden treten typischerweise bei länger andauernder Naharbeit auf:

  • Doppelbilder: Gelegentliches oder häufiges Doppeltsehen beim Lesen
  • Kopfschmerzen: Insbesondere im Stirnbereich, nach dem Lesen oder bei Bildschirmarbeit
  • Augenbelastung und Augenmüdigkeit: Die Augen fühlen sich angestrengt und müde an
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Besonders bei schulischen Aufgaben
  • Verschwommene oder „springende" Schrift: Buchstaben scheinen sich nach längerer Lesezeit zu bewegen
  • Blinzeln oder Schliessen eines Auges: Manche Betroffene schliessen unbewusst ein Auge, um besser lesen zu können

Nicht alle Betroffenen haben gleich ausgeprägte Symptome. Manche haben trotz messbarer Konvergenzschwäche keine Beschwerden: In diesem Fall ist keine Behandlung nötig.

Diagnose

Die Diagnose wird durch Augenärzte oder Orthoptisten gestellt. Dabei werden folgende Parameter untersucht:

  • Konvergenz-Nahpunkt: Wie nah kann ein Gegenstand an die Nase herangeführt werden, bevor ein Auge abdriftet oder Doppelbilder auftreten?
  • Fusionale Vergenzbreite: Wie viel prismatische Belastung können die Augen ausgleichen, bevor Doppelbilder entstehen?
  • Akkommodation: Die Fähigkeit, das Auge scharf zu stellen, wird ebenfalls geprüft, da sie eng mit der Konvergenz verknüpft ist
  • Refraktion: Bestimmung einer allfälligen Fehlsichtigkeit

Behandlung

Eine Therapie wird nur empfohlen, wenn tatsächlich Beschwerden bestehen. Die Behandlung richtet sich nach Alter, Symptomstärke und den individuellen Bedürfnissen.

Konvergenzübungen

Übungen zum gezielten Training der Augenkonvergenz gelten als wirksamste Therapie. Sie können zu Hause oder unter Anleitung einer Orthoptistin durchgeführt werden:

  • Bleistiftübungen: Ein Stift wird langsam auf die Nase zugeführt, während man versucht, ihn mit beiden Augen scharf zu fixieren
  • Konvergenzkarten und Fusionsübungen: Spezielle Übungskarten, die das Zusammenführen der Augen trainieren
  • Computergestützte Trainingsprogramme: Software, die spielerisch die Konvergenz verbessert

Prismengläser

Prismengläser in der Brille können die Naharbeit erleichtern, indem sie den Konvergenzbedarf reduzieren. Sie werden jedoch in der Regel nur vorübergehend eingesetzt, da sie die eigentliche Konvergenzfähigkeit nicht trainieren.

Was nicht hilft

Das Abdecken eines Auges (Patching) ist bei Konvergenzinsuffizienz nicht sinnvoll, weil gerade das Zusammenspiel beider Augen trainiert werden muss.

Operation

Eine Operation ist nur sehr selten notwendig und wird erst in Betracht gezogen, wenn Übungen und Prismengläser über längere Zeit keine Besserung bringen.

Rückfälle

Bei manchen Betroffenen können die Beschwerden nach Krankheit, Schlafmangel, Stress oder intensiver Naharbeit erneut auftreten. In solchen Fällen kann ein erneuter Übungszyklus helfen.

Begleitende Sehstörungen

Patienten mit Konvergenzinsuffizienz können gleichzeitig an Fehlsichtigkeiten oder Akkommodationsschwächen leiden. Diese sollten erkannt und behandelt werden, da sie die Konvergenzbeschwerden verstärken können.

Prognose

Mit konsequenter Durchführung der Konvergenzübungen bessern sich die Symptome bei den meisten Betroffenen deutlich. Regelmässige Kontrollen helfen, den Therapieerfolg zu überprüfen und bei Bedarf die Behandlung anzupassen.