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Myasthenia gravis und Augen

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln stört. Antikörper blockieren die Rezeptoren an der Muskulatur, sodass Nervensignale nicht mehr vollständig ankommen. Das Ergebnis ist eine belastungsabhängige Muskelschwäche, die im Tagesverlauf zunimmt. Die Augenmuskulatur ist besonders häufig und oft als Erstes betroffen.

Okuläre und generalisierte Form

Bei der okulären Myasthenie beschränkt sich die Schwäche auf die Augenmuskeln und die Lidheber. Etwa die Hälfte der Patienten, die mit Augensymptomen beginnen, entwickelt allerdings innerhalb von zwei Jahren eine generalisierte Form, bei der auch die Muskulatur von Armen, Beinen, Gesicht oder Atemwegen beteiligt sein kann.

Symptome an den Augen

  • Ptosis (hängendes Oberlid): Eines oder beide Oberlider sinken herab, typischerweise im Tagesverlauf zunehmend und nach Ruhepausen besser
  • Doppelbilder (Diplopie): Die Augenmuskeln arbeiten ungleichmässig, sodass die Augen nicht mehr synchron ausgerichtet sind
  • Wechselnde Augenstellung: Die Schielstellung kann von Tag zu Tag und sogar innerhalb eines Tages variieren
  • Ermüdbarkeit: Symptome verschlechtern sich bei Anstrengung und bessern sich nach Ruhe

Schwankende Doppelbilder oder ein absinkendes Lid?

Solche Zeichen gehören in eine neuroophthalmologische Abklärung: Dr. Stefan Langenegger untersucht Augenstellung und Lidheber und stimmt das weitere Vorgehen mit der Neurologie ab. Treten Doppelbilder neu auf, rufen Sie unsere Praxis am Hauptbahnhof Zürich bitte direkt an.

Diagnose

Die Diagnose der Myasthenia gravis kann anspruchsvoll sein, da die Symptome schwanken. Folgende Untersuchungen helfen bei der Sicherung:

  • Eisbeutel-Test: Ein Eisbeutel wird für einige Minuten auf das geschlossene Lid gelegt. Hebt sich das Lid danach deutlich, spricht dies für Myasthenie.
  • Blutuntersuchung: Nachweis von Antikörpern gegen Acetylcholinrezeptoren (bei etwa 85 % der Patienten mit generalisierter Form positiv, bei rein okulärer Form seltener)
  • Elektromyographie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln und zeigt eine typische Ermüdung bei wiederholter Reizung
  • CT oder MRT des Brustkorbs: Zur Beurteilung der Thymusdrüse, die bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle spielen kann

Behandlung

Die Therapie zielt darauf ab, die neuromuskuläre Übertragung zu verbessern und die Immunreaktion zu kontrollieren:

Medikamentöse Behandlung

  • Cholinesterasehemmer (z. B. Pyridostigmin): Verbessern die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel und lindern die Muskelschwäche
  • Kortikosteroide: Unterdrücken die überschiessende Immunantwort
  • Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, Mycophenolatmofetil): Für die langfristige Kontrolle der Erkrankung
  • Plasmapherese und intravenöse Immunglobuline: Bei akuten Verschlechterungen zur raschen Entfernung der schädlichen Antikörper

Operative Therapie

Bei einer vergrösserten oder auffälligen Thymusdrüse kann eine Thymektomie (operative Entfernung) erwogen werden. Bei vielen Patienten führt dieser Eingriff zu einer langfristigen Besserung der Symptome.

Augenoperationen

Operative Korrekturen einer Ptosis oder Augenfehlstellung werden erst in Betracht gezogen, wenn die Erkrankung über ein bis zwei Jahre stabil ist. Da die Muskelschwäche schwanken kann, wäre ein zu frühes Operieren mit einem unvorhersehbaren Ergebnis verbunden.

Leben mit Myasthenia gravis

Die Erkrankung erfordert eine langfristige ärztliche Begleitung. Mit einer gut eingestellten Therapie führen die meisten Betroffenen ein weitgehend normales Leben. Wichtig ist, Warnsymptome einer Verschlechterung, insbesondere Schluck- oder Atembeschwerden, zu kennen und umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen. Die augenärztlichen Kontrollen dienen der Anpassung von Prismengläsern bei Doppelbildern und der Überwachung der Augenmuskulatur.

Dr. Stefan Langenegger, Augenarzt Zürich

Dr. Stefan Langenegger

Behandelnder Augenarzt

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