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Morbus Stargardt

Der Morbus Stargardt ist die häufigste erbliche Makuladystrophie im Kindes- und Jugendalter. Die Erkrankung führt zu einem fortschreitenden Verlust des zentralen Sehvermögens, während das periphere Sehen in der Regel erhalten bleibt. Da die Makula (der Bereich der Netzhaut für das scharfe Sehen) betroffen ist, bemerken die jungen Patientinnen und Patienten oft zuerst Schwierigkeiten beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern.

Ursache und Vererbung

Dem Morbus Stargardt liegt in den meisten Fällen eine Mutation im ABCA4-Gen zugrunde. Dieses Gen enthält die Bauanleitung für ein Protein, das in den Photorezeptoren der Netzhaut eine wichtige Rolle beim Stoffwechsel des Sehfarbstoffs spielt. Ist das Protein defekt, sammeln sich giftige Abbauprodukte (insbesondere Lipofuszin) im retinalen Pigmentepithel an und schädigen die darüberliegenden Sehzellen.

Die Erkrankung wird in der Regel autosomal-rezessiv vererbt: Beide Elternteile tragen je eine veränderte Kopie des Gens, ohne selbst erkrankt zu sein. Für jedes Kind besteht ein Risiko von 25 %, die Erkrankung zu entwickeln. Seltener kommen auch dominant vererbte Formen vor, die auf Mutationen in anderen Genen (z. B. ELOVL4) zurückgehen.

Symptome

Der Morbus Stargardt beginnt meist zwischen dem 6. und 20. Lebensjahr mit schleichend zunehmenden Beschwerden:

  • Verschlechterung der zentralen Sehschärfe: Lesen, Erkennen von Details und Gesichtern wird zunehmend schwieriger.
  • Zentraler blinder Fleck (Zentralskotom): Im Mittelpunkt des Blickfeldes entsteht ein dunkler Bereich.
  • Vermindertes Farbensehen: Farben erscheinen blasser oder werden schwerer unterschieden.
  • Blendempfindlichkeit: Helles Licht wird als unangenehm empfunden.
  • Schwierigkeiten bei der Hell-Dunkel-Anpassung: Der Übergang von hellen in dunkle Räume dauert länger.

Das periphere Sehen bleibt in der Regel gut erhalten, sodass die Orientierung im Raum und die Mobilität kaum eingeschränkt sind.

Diagnostik

  • Sehschärfenbestimmung: Dokumentiert den Verlauf des zentralen Sehverlustes.
  • Funduskopie (Augenhintergrund-Untersuchung): Typisch sind gelblich-weisse Flecken (sogenannte „Flecks") in und um die Makula sowie eine zunehmende Atrophie des Pigmentepithels.
  • OCT (Optische Kohärenztomographie): Zeigt die Verdünnung der Netzhautschichten im Makulabereich.
  • Fundusautofluoreszenz: Weist die typischen Lipofuszin-Ablagerungen nach und eignet sich gut zur Verlaufskontrolle.
  • Genetische Testung: Sichert die Diagnose und ist wichtig für die genetische Beratung und die Eignung für zukünftige Therapien.

Behandlung

Eine Heilung gibt es derzeit nicht. Die Behandlung zielt darauf ab, den Verlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten:

Schutz vor Licht

Starkes Licht kann die Ablagerung von Lipofuszin beschleunigen. Das Tragen von Sonnenbrillen mit UV- und Blaulichtschutz wird empfohlen.

Vitamin A vermeiden

Im Gegensatz zu anderen Netzhauterkrankungen sollten Patientinnen und Patienten mit Morbus Stargardt hochdosierte Vitamin-A-Präparate meiden, da überschüssiges Vitamin A die Lipofuszin-Bildung verstärken kann.

Hilfsmittel bei Sehbehinderung

Vergrössernde Sehhilfen, spezielle Leselampen, Bildschirmlesegeräte und elektronische Hilfsmittel können den Alltag erheblich erleichtern. Eine Low-Vision-Beratung hilft, die passenden Hilfsmittel zu finden.

Forschung und Ausblick

Intensive Forschung gibt Anlass zu Hoffnung: Gentherapien zielen darauf ab, die defekte Genkopie zu ersetzen. Stammzellbasierte Ansätze versuchen, geschädigte Zellen zu regenerieren. Medikamentöse Therapien sollen die Lipofuszin-Ablagerung bremsen. Klinische Studien laufen weltweit, und betroffene Familien können sich über die Teilnahme informieren.

Genetische Beratung

Eine humangenetische Beratung ist für betroffene Familien sehr empfehlenswert. Sie informiert über das Vererbungsmuster, das Wiederholungsrisiko für Geschwister und Kinder sowie über aktuelle und zukünftige Therapiemöglichkeiten.

Unterstützung im Alltag

Kinder und Jugendliche mit Morbus Stargardt können mit der richtigen Unterstützung eine reguläre Schule besuchen und ein selbstständiges Leben führen. Wichtig sind:

  • Frühzeitige Information der Schule über die Seheinschränkung
  • Angepasste Sitzplätze (vorne, blendfrei) und vergrössertes Unterrichtsmaterial
  • Psychologische Begleitung bei Bedarf: Die Diagnose einer fortschreitenden Sehbehinderung in jungen Jahren kann emotional belastend sein
  • Austausch mit anderen Betroffenen über Selbsthilfegruppen