Morbus Coats ist eine seltene Augenerkrankung, bei der kleine Blutgefässe der Netzhaut (Retina) krankhaft verändert und undicht werden. Flüssigkeit und Fettablagerungen (Lipide) treten aus den Gefässen aus und sammeln sich in und unter der Netzhaut. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich die Netzhaut ablösen. Die Erkrankung betrifft fast immer nur ein Auge, tritt bevorzugt bei Jungen auf und wird nicht vererbt.
Die genaue Ursache von Morbus Coats ist unbekannt. Es handelt sich nicht um eine erbliche Erkrankung und es besteht kein Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen. Die krankhaften Gefässveränderungen (Teleangiektasien) sind angeboren und entwickeln sich bereits in der frühen Kindheit.
Da Morbus Coats in der Regel nur ein Auge betrifft, fällt die Erkrankung im Alltag oft nicht sofort auf. Typische Anzeichen sind:
Die Diagnose wird durch eine gründliche Untersuchung des Augenhintergrundes gestellt. Der Augenarzt erkennt dabei die typischen erweiterten, geschlängelten Netzhautgefässe und Flüssigkeitsansammlungen. Ergänzende Untersuchungen können sein:
Eine wichtige Aufgabe der Diagnostik ist die Abgrenzung zum Retinoblastom, einem bösartigen Augentumor bei Kindern, der ebenfalls mit einer Leukokorie auffallen kann.
Morbus Coats wird in fünf Stadien eingeteilt:
Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung:
In sehr frühen Stadien ohne Flüssigkeitsaustritt kann eine regelmässige Verlaufskontrolle ausreichen. Der Augenarzt untersucht das Auge in festgelegten Abständen, um ein Fortschreiten rechtzeitig zu erkennen.
Bei undichten Gefässen werden diese mit Laser oder Kältesonden (Kryotherapie) verödet, um den Flüssigkeitsaustritt zu stoppen. Oft sind mehrere Sitzungen nötig.
Medikamente, die den Wachstumsfaktor VEGF blockieren, werden direkt ins Auge injiziert. Sie können den Flüssigkeitsaustritt verringern und werden häufig ergänzend zur Laser- oder Kryotherapie eingesetzt.
Bei fortgeschrittener Erkrankung mit ausgedehnter Netzhautablösung kann ein operativer Eingriff am Glaskörper notwendig sein.
Die Sehprognose hängt wesentlich davon ab, in welchem Stadium die Erkrankung entdeckt wird und wie schnell sie fortschreitet. Jüngere Kinder haben oft einen schwereren Verlauf. Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung kann das Sehvermögen in vielen Fällen erhalten oder stabilisiert werden. Die meisten Patienten behalten jedoch im betroffenen Auge eine eingeschränkte Sehschärfe.
Nach einer Behandlung sind regelmässige Kontrollen unerlässlich, um ein erneutes Auftreten der Gefässveränderungen frühzeitig zu erkennen. Bei Kindern mit eingeschränktem Sehen auf einem Auge kann zusätzlich eine Brillenkorrektur oder Okklusionsbehandlung (Pflastertherapie) sinnvoll sein, um das bestmögliche Sehen zu fördern.