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Adjustierbare Nähte (Verstellbare Nähte bei Schieloperationen)

Adjustierbare Nähte sind eine spezielle Operationstechnik bei Schieloperationen, die es dem Chirurgen ermöglicht, die Stellung der Augenmuskeln nach dem Eingriff noch fein zu korrigieren. Dabei wird der Muskel zunächst mit einem lösbaren Gleitknoten befestigt. In einem zweiten Schritt, meist am selben Tag oder am Folgetag, kann die Position bei Bedarf nachjustiert werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Wie funktioniert das Verfahren?

Die Schieloperation selbst verläuft wie ein herkömmlicher Eingriff: Ein oder mehrere Augenmuskeln werden geschwächt oder gestrafft, um die Augenstellung zu verbessern. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Muskel nicht sofort dauerhaft fixiert wird, sondern mit einem speziellen Gleitknoten befestigt wird. Einige Stunden nach der Operation prüft der Chirurg die Augenstellung. Falls nötig, wird der Knoten verschoben und anschliessend dauerhaft verknotet.

Für wen eignet sich die Technik?

Adjustierbare Nähte setzen voraus, dass die Patientin oder der Patient bei der Nachjustierung mitarbeiten kann , das heisst, den Blick gezielt richten und Rückmeldung geben. Daher eignen sich vor allem:

  • Kooperative Erwachsene
  • Ältere Jugendliche

Kleine Kinder und Patientinnen oder Patienten, die nicht ausreichend mitarbeiten können, werden in der Regel mit herkömmlichen, festen Nähten operiert. In Ausnahmefällen kann die Anpassung unter erneuter kurzer Narkose erfolgen.

Ist die Nachjustierung schmerzhaft?

Die meisten Betroffenen beschreiben die Anpassung als unangenehm, aber gut auszuhalten. Das Auge wird mit betäubenden Tropfen vorbehandelt, sodass der eigentliche Vorgang weitgehend schmerzfrei ist. Ein Druckgefühl beim Verschieben des Muskels ist normal. Auf eine Vollnarkose wird bewusst verzichtet, damit die Patientin oder der Patient aktiv fixieren und bei der Ausrichtung mithelfen kann.

Welche Vorteile bieten adjustierbare Nähte?

  • Feinjustierung nach der Operation: Das Ergebnis kann an die tatsächliche Augenstellung im Wachzustand angepasst werden – nicht nur an die Verhältnisse unter Narkose.
  • Weniger Nachoperationen: In komplexen Fällen kann die Feinkorrektur eine erneute Vollnarkose ersparen.
  • Besonders nützlich bei: Wiederholungsoperationen, Schielformen nach Trauma, endokriner Orbitopathie (Morbus Basedow) und anderen komplizierten Ausgangssituationen.

Welche Nachteile und Risiken gibt es?

  • Während der Heilungsphase ist der Muskel nicht endgültig fixiert – er kann sich leicht verschieben (dies gilt in geringerem Masse auch bei konventionellen Nähten).
  • Der Faden oder Knoten kann während der Anpassung reissen, was selten einen erneuten Eingriff im Operationssaal erfordert.
  • Manche Patientinnen und Patienten reagieren mit Übelkeit, verlangsamtem Puls oder Angstgefühl.
  • Der adjustierbare Knoten kann vorübergehend stärkere Rötung und ein Fremdkörpergefühl verursachen und löst sich langsamer auf als ein fester Knoten.

Sind adjustierbare Nähte grundsätzlich besser?

Nicht zwingend. Ob adjustierbare oder konventionelle Nähte verwendet werden, hängt von der Erfahrung und Einschätzung des Chirurgen sowie der individuellen Situation ab. Studien zeigen keinen eindeutigen Vorteil einer Methode gegenüber der anderen für die Gesamtheit aller Fälle. In bestimmten Konstellationen, z.B. bei Reoperationen oder unvorhersehbarem Heilungsverlauf, bieten adjustierbare Nähte jedoch einen klaren Vorteil.

Was sollten Sie vor der Operation wissen?

Besprechen Sie mit Ihrem Augenarzt, ob adjustierbare Nähte in Ihrem Fall sinnvoll sind. Planen Sie ein, dass Sie am Operationstag oder am Folgetag für die Nachjustierung zur Verfügung stehen müssen. Informieren Sie das Team, falls Sie zu Übelkeit oder Ohnmacht neigen, damit entsprechende Vorkehrungen getroffen werden können.

Weiterführende Informationen

Schielen: Ursachen, Arten und Symptome

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Nach der Schiel-Operation: Heilungsverlauf, Beschwerden & Kontrolle

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