Die akkommodative Esotropie ist eine häufige Form des Schielens im Kindesalter, bei der sich ein oder beide Augen beim Fokussieren nach innen drehen. Ursache ist eine überdurchschnittlich starke Weitsichtigkeit (Hyperopie): Das Auge muss sich beim Scharfstellen besonders anstrengen, und diese zusätzliche Akkommodation löst das Einwärtsschielen aus. Die Erkrankung tritt typischerweise zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf und kann familiär gehäuft vorkommen.
Wenn ein Auge dauerhaft schielt, lernt das Gehirn, das Bild dieses Auges zu unterdrücken. Die Folge kann eine Amblyopie („schwachsichtiges Auge") sein, bei der das betroffene Auge trotz gesunder Strukturen nicht die volle Sehschärfe erreicht.
Auch das räumliche Sehen (Stereopsis) entwickelt sich nur, wenn beide Augen gemeinsam arbeiten. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine normale Sehentwicklung. Schielen ist nur in den ersten Lebenswochen gelegentlich normal. Danach sollte jede Fehlstellung augenärztlich abgeklärt werden.
Die wichtigste Massnahme ist eine Brille, die die Weitsichtigkeit vollständig korrigiert. Wenn das Auge weniger Kraft zum Fokussieren aufwenden muss, lässt das Schielen nach oder verschwindet ganz. Kinder mit akkommodativer Esotropie sollten die Brille den ganzen Tag tragen, auch beim Spielen und im Kindergarten. Ohne Brille können die Augen weiterhin schielen; das ist erwartbar und kein Grund zur Sorge, solange die Augen mit Brille gerade stehen.
Manche Kinder schielen trotz korrekter Fernbrille verstärkt bei Naharbeit (Lesen, Malen, Bildschirm). In solchen Fällen können Bifokalgläser helfen: Der untere Teil des Glases enthält eine stärkere Korrektur für die Nähe und entlastet die Akkommodation zusätzlich.
Falls ein Auge bereits schwachsichtig geworden ist, reicht die Brille allein nicht aus. Dann wird das stärkere Auge zeitweise abgedeckt (Okklusionstherapie) oder mit Atropin-Tropfen vorübergehend unscharf gemacht, damit das schwächere Auge trainiert wird.
Eine Operation an den Augenmuskeln wird nur erwogen, wenn die Brille das Schielen nicht vollständig beseitigt. Der Eingriff verbessert die Augenstellung mit Brille, ersetzt die Brille aber in der Regel nicht. Ziel ist es, die Voraussetzungen für ein gutes beidäugiges Sehen zu schaffen.
Bei manchen Kindern nimmt die Weitsichtigkeit im Schulalter ab, sodass sie ihre Brille seltener oder gar nicht mehr benötigen. Dies geschieht oft zwischen dem Grundschulalter und der Pubertät. Leider lässt sich nicht sicher vorhersagen, ob und wann ein Kind die Brille ablegen kann. Regelmässige Kontrollen beim Augenarzt sind deshalb über viele Jahre hinweg wichtig.
Kinder, die ihre Weitsichtigkeit nicht verwachsen, können als Erwachsene eine refraktive Laserkorrektur (z. B. LASIK) in Betracht ziehen. Diese Verfahren sind erst ab 18 Jahren zugelassen und setzen stabile Brillenwerte voraus. Ob eine Laserbehandlung sinnvoll ist, wird individuell mit dem Augenarzt und einem Refraktivchirurgen besprochen.