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Albinismus
Albinismus ist eine angeborene genetische Erkrankung, bei der die Bildung des Pigments Melanin in Haut, Haaren und Augen vermindert oder vollständig fehlend ist. Die Augen sind dabei fast immer mitbetroffen. Sehprobleme gehören zu den häufigsten und einschränkendsten Folgen des Albinismus. Ca. einer von 17'000 Menschen weltweit ist betroffen, unabhängig von der ethnischen Herkunft.
Welche Formen gibt es?
- Okulokutaner Albinismus (OCA): Betrifft Augen, Haut und Haare. Es gibt mehrere Untertypen (OCA1–OCA4), die sich in der Menge des vorhandenen Pigments unterscheiden. Die Erscheinung reicht von sehr hellem Haar und heller Haut bis hin zu blondem oder sogar braunem Haar.
- Okulärer Albinismus (OA): Hauptsächlich die Augen sind betroffen, während Haut und Haare normal oder nahezu normal pigmentiert erscheinen. Diese Form wird über das X-Chromosom vererbt und tritt daher überwiegend bei Jungen auf.
Wie wird Albinismus vererbt?
Die meisten Formen des okulokutanen Albinismus werden autosomal-rezessiv vererbt: Beide Eltern tragen eine Genkopie, ohne selbst betroffen zu sein. Bei jeder Schwangerschaft besteht ein Risiko von 25 %, dass das Kind Albinismus hat. Beim okulären Albinismus liegt das Gen auf dem X-Chromosom. Mütter, die Trägerinnen sind, geben das Gen an 50 % ihrer Söhne weiter.
Welche Augenprobleme treten auf?
Albinismus kann eine Vielzahl von Augenveränderungen verursachen:
- Nystagmus: Unwillkürliche, rhythmische Augenbewegungen, die das Sehen beeinträchtigen
- Reduzierte Sehschärfe: Durch Unterentwicklung der Fovea (Foveahypoplasie) und untypische Verschaltung der Sehnerven
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Das fehlende Irispigment lässt zu viel Licht ins Auge
- Fehlsichtigkeit: Häufig Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus
- Schielen (Strabismus): Abweichende Augenstellung, die das räumliche Sehen beeinträchtigt
- Abnorme Kopfhaltung: Viele Betroffene drehen oder neigen den Kopf, um die Sehschärfe zu verbessern
Generell gilt: Je weniger Pigment vorhanden ist, desto stärker sind die Seheinschränkungen.
Behandlungsmöglichkeiten
Albinismus ist nicht heilbar, aber die Sehfunktion lässt sich durch verschiedene Massnahmen optimieren:
- Brillen: Korrektur der Fehlsichtigkeit, getönte Gläser oder Sonnenbrillen gegen Blendung
- Kontaktlinsen: In manchen Fällen eine Alternative zur Brille
- Vergrössernde Sehhilfen: Handlupen, Fernrohrbrillen, Bildschirmlesegeräte oder digitale Vergrösserung
- Amblyopiebehandlung: Falls ein Auge deutlich schlechter sieht, kann eine Okklusionstherapie sinnvoll sein
- Schieloperation: Bei störender Fehlstellung oder Kopfzwangshaltung
- Genetische Beratung: Empfehlenswert für betroffene Familien und bei Kinderwunsch
Alltag, Schule und Beruf
- Schulkinder profitieren von einem Platz nah an der Tafel, guter Beleuchtung, vergrössertem Schriftmaterial und dem Einsatz digitaler Hilfsmittel. Die Intelligenz ist bei Albinismus nicht beeinträchtigt.
- Sonnenschutz ist besonders wichtig: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, breitkrempige Hüte und UV-Schutzbrillen schützen Haut und Augen.
- Berufswahl und Mobilität: Je nach Sehschärfe können Einschränkungen beim Autofahren bestehen. Eine frühzeitige Beratung durch Low-Vision-Fachleute hilft bei der Berufsorientierung.
Begleiterkrankungen
In seltenen Fällen treten zusätzliche Gesundheitsprobleme auf:
- Hermansky-Pudlak-Syndrom: Blutungsneigung, möglicherweise Lungen- und Darmprobleme
- Chediak-Higashi-Syndrom: Geschwächtes Immunsystem mit erhöhter Infektanfälligkeit
Bei Verdacht auf solche Syndrome ist eine weiterführende medizinische Abklärung wichtig.
Unterstützung und Ressourcen
Selbsthilfegruppen wie NOAH (National Organization for Albinism and Hypopigmentation) bieten wertvolle Informationen und den Austausch mit anderen Betroffenen. Im deutschsprachigen Raum gibt es ebenfalls Selbsthilfeorganisationen, die Familien begleiten und beraten.