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Kapilläres Hämangiom

Ein kapilläres Hämangiom, umgangssprachlich auch „Erdbeerfleck" oder „Blutschwamm" genannt, ist ein gutartiger Gefässtumor, der aus kleinen, abnorm gewachsenen Blutkapillaren besteht. Im Bereich der Augen kann ein Hämangiom das Sehvermögen beeinflussen und erfordert deshalb eine augenärztliche Überwachung.

Verlauf

Kapilläre Hämangiome folgen einem typischen Wachstumsmuster:

  • Geburt: Meist noch nicht oder kaum sichtbar
  • Erste 6 Monate: Rasches Wachstum (Proliferationsphase)
  • 12 bis 15 Monate: Beginn der spontanen Rückbildung (Involutionsphase)
  • 5 bis 6 Jahre: Weitgehend zurückgebildet bei den meisten Kindern

Frühgeborene und Mädchen sind häufiger betroffen.

Wo treten Hämangiome am Auge auf?

  • Am Oberlid: Die häufigste Stelle im Augenbereich. Ein Hämangiom am Lid erscheint als rötlich-bläuliche, weiche Schwellung.
  • In der Augenhöhle (Orbita): Nicht von aussen sichtbar, aber der Augapfel kann vorgewölbt sein.
  • Auf der Bindehaut: Seltener, als rötliche Erhebung auf der Augenoberfläche sichtbar.

Warum können Hämangiome am Auge das Sehen gefährden?

Hämangiom am Lid

Ein Hämangiom auf dem Oberlid kann durch Druck auf den Augapfel dessen Form verändern und eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) verursachen. Wird dieser nicht rechtzeitig korrigiert, kann sich eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit) entwickeln. Verdeckt das Hämangiom zusätzlich die Pupille, wird die Sehachse blockiert, eine besonders dringliche Situation.

Hämangiom in der Augenhöhle

Ein Hämangiom innerhalb der Orbita kann den Augapfel zusammendrücken, seine Form verändern und ebenfalls Astigmatismus sowie Amblyopie verursachen. In seltenen Fällen kann es die Augenbewegungen einschränken (Schielen) oder den Sehnerv komprimieren.

Braucht jedes Hämangiom am Auge eine Behandlung?

Nein. Die meisten Hämangiome im Augenbereich werden lediglich beobachtet, da sie sich von selbst zurückbilden. Eine Behandlung ist nur dann notwendig, wenn das Hämangiom die Sehentwicklung bedroht, z.B. durch Astigmatismus, Verdeckung der Sehachse oder Druck auf den Sehnerv.

Behandlungsmöglichkeiten

Medikamente

  • Propranolol (oral): Ein Betablocker, der das Wachstum bremst und die Rückbildung beschleunigt. Propranolol gilt heute als Therapie der ersten Wahl bei behandlungsbedürftigen Hämangiomen. Zu Beginn der Therapie werden Herzfrequenz und Blutdruck engmaschig überwacht.
  • Timolol-Augentropfen (topisch): Können bei kleinen, oberflächlichen Hämangiomen am Lid wirksam sein.
  • Atenolol: Eine Alternative zu Propranolol.

Kortison

Steroide (als Tabletten, Injektion direkt in den Tumor oder als Creme) waren früher das Mittel der Wahl. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen (Wachstumsverzögerung, Katarakt, erhöhter Augeninnendruck) werden sie heute seltener eingesetzt.

Laserbehandlung

Oberflächliche, dünne Hämangiome können mit Laserverfahren behandelt werden, um das Wachstum zu stoppen, die Grösse zu reduzieren oder die Farbe aufzuhellen.

Chirurgische Entfernung

In seltenen Fällen ist eine operative Entfernung sinnvoll, etwa bei kleinen, klar abgegrenzten Tumoren knapp unter der Haut.

Begleitende Massnahmen

Unabhängig davon, ob das Hämangiom behandelt wird oder nicht, sind folgende Massnahmen wichtig:

  • Regelmässige Kontrolle der Sehschärfe und Brillenwerte
  • Brillenkorrektur bei Astigmatismus
  • Amblyopie-Therapie (Pflaster oder Tropfen), falls eine Sehschwäche vorliegt

Unser Rat

Wenn Sie bei Ihrem Baby eine Rötung oder Schwellung am Augenlid bemerken, die in den ersten Lebenswochen grösser wird, lassen Sie dies zeitnah vom Augenarzt beurteilen. Die meisten Hämangiome sind harmlos und bilden sich von selbst zurück, aber eine rechtzeitige Einschätzung und Überwachung des Sehvermögens sind wichtig, um eine Amblyopie zu verhindern.