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Orbitabodenfraktur (Blow-out-Fraktur)

Eine Orbitabodenfraktur, auch Blow-out-Fraktur genannt, ist ein Bruch des dünnen Knochens am Boden der Augenhöhle (Orbita). Diese Verletzung entsteht durch stumpfe Gewalt auf das Auge oder die Augenumgebung und gehört zu den häufigsten Gesichtsfrakturen bei Kindern und Jugendlichen.

Wie entsteht eine Blow-out-Fraktur?

Wenn ein Gegenstand, etwa ein Ball, eine Faust, ein Ellbogen oder ein Ast, mit Wucht auf das Auge oder die Augenhöhle trifft, erhöht sich der Druck im Inneren der Orbita schlagartig. Da der Boden und die innere Wand der Augenhöhle besonders dünn sind, geben diese Knochen nach und brechen. Weichteile (Muskeln, Fettgewebe) können in den Bruchspalt rutschen und dort eingeklemmt werden.

Besonderheit bei Kindern: Bei Kindern sind die Knochen flexibler. Es kann eine sogenannte „Falltürfraktur" (Trapdoor-Fraktur) entstehen: Ein Knochendeckel klappt auf, Gewebe rutscht hinein, und der Deckel schnappt wieder zu, wie eine Falltür. Diese Verletzung ist ein Notfall, weil eingeklemmte Muskeln schnell Schaden nehmen.

Symptome

Typische Anzeichen einer Orbitabodenfraktur sind:

  • Schwellung und Bluterguss um das Auge
  • Doppelbilder (besonders beim Blick nach oben oder unten)
  • Eingeschränkte Augenbeweglichkeit
  • Schmerzen bei Augenbewegungen
  • Taubheitsgefühl an Wange, Nase oder Oberkieferzähnen
  • Eingesunkenes Auge (Enophthalmus), oft erst sichtbar, wenn die Schwellung zurückgeht

Bei einer Falltürfraktur bei Kindern treten häufig starke Schmerzen bei Augenbewegungen, Übelkeit und Erbrechen auf, manchmal ohne äusserlich auffällige Schwellung oder Bluterguss. Diese Symptome können mit einer Gehirnerschütterung verwechselt werden.

Nach einem Schlag aufs Auge

Doppelbilder, ein eingeschränkter Blick nach oben oder unten oder Übelkeit nach einem Ball- oder Faustschlag sollten rasch augenärztlich beurteilt werden. Rufen Sie uns in der Praxis am Zürcher Hauptbahnhof an, wir schätzen die Dringlichkeit ein. Hat ein Kind nach einer Gesichtsverletzung Schmerzen und erbricht, gehen Sie direkt in eine Notaufnahme.

Diagnose

Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung und Bildgebung gestellt:

  • Klinische Untersuchung: Der Augenarzt prüft Sehschärfe, Augenbeweglichkeit, Pupillenreaktion und Augenstellung.
  • CT (Computertomographie): Dünnschicht-CT-Aufnahmen der Augenhöhle sind der Goldstandard und zeigen Lage, Grösse und Art der Fraktur sowie eingeklemmtes Gewebe.
  • MRT: Kann als strahlungsfreie Alternative eingesetzt werden, insbesondere bei Kindern.

Behandlung

Einfache Fraktur (ohne Einklemmung)

Die meisten unkomplizierten Frakturen heilen ohne Operation. Die Behandlung umfasst:

  • Kühlen mit Eisbeuteln in den ersten Tagen
  • Abschwellende Nasentropfen
  • Kein Naseputzen: Der Druckaufbau kann Luft aus den Nebenhöhlen in die Augenhöhle pressen
  • Ggf. kurzzeitige Gabe von Kortison, um Schwellung und Narbenbildung zu reduzieren
  • Antibiotika bei begleitender Nebenhöhlenentzündung
  • Schmerzmedikamente

Doppelbilder bessern sich häufig innerhalb von Tagen bis Wochen, sobald die Schwellung zurückgeht.

Operative Versorgung

Eine Operation ist notwendig bei:

  • Falltürfrakturen mit eingeklemmtem Gewebe: Dies ist ein Notfall. Die Operation sollte innerhalb von 24 bis 48 Stunden erfolgen, um das eingeklemmte Gewebe (meist ein Augenmuskel) zu befreien und bleibende Schäden zu vermeiden.
  • Anhaltenden Doppelbildern: Wenn sich Doppelbilder nach mehreren Wochen nicht bessern
  • Deutlichem Enophthalmus: Wenn das Auge deutlich eingesunken ist

Bei der Operation wird der Bruch freigelegt, eingeklemmtes Gewebe gelöst und der Defekt im Knochen mit einem Implantat (Titan oder synthetisches Material) abgedeckt.

Mögliche Langzeitfolgen

Die meisten Orbitabodenfrakturen heilen gut ab. In einigen Fällen können jedoch bestehen bleiben:

  • Dauerhafte Doppelbilder (können ggf. mit Prismenbrillen oder Augenmuskeloperationen behandelt werden)
  • Ein eingesunkenes Auge
  • Taubheitsgefühl im Wangenbereich

Vorbeugung

Bei Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko (Ballsportarten, Kampfsport, Eishockey) bietet eine geeignete Schutzbrille den besten Schutz vor Orbitafrakturen.

Unser Rat

Nach einem Schlag auf das Auge oder die Augenhöhle, besonders wenn Doppelbilder, Bewegungseinschränkungen oder Übelkeit auftreten, sollte umgehend ein Augenarzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden. Bei Kindern mit Schmerzen und Erbrechen nach Gesichtsverletzung muss immer an eine Falltürfraktur gedacht werden, da diese eine rasche operative Versorgung erfordert.

Dr. Stefan Langenegger, Augenarzt Zürich

Dr. Stefan Langenegger

Behandelnder Augenarzt

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