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Optikusatrophie (Sehnervenschwund)

Die Optikusatrophie bezeichnet eine Schädigung des Sehnervs, bei der Nervenfasern unwiederbringlich zugrunde gehen. Der Sehnerv ist die „Datenleitung" zwischen Auge und Gehirn: Er überträgt die visuellen Informationen von der Netzhaut an die Sehzentren im Gehirn. Gehen Nervenfasern verloren, kann dies zu einer Verschlechterung des zentralen Sehens, des Gesichtsfeldes oder des Farbsehens führen.

Ursachen

Eine Optikusatrophie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern das Endresultat verschiedener Schädigungen des Sehnervs. Mögliche Ursachen sind:

  • Erhöhter Hirndruck (Hydrozephalus): Dauerhafter Druck auf den Sehnerv
  • Tumoren: Geschwulste, die den Sehnerv direkt oder indirekt komprimieren
  • Minderdurchblutung: Gefässverschlüsse oder mangelnde Sauerstoffversorgung
  • Entzündungen: Optikusneuritis (Sehnervenentzündung)
  • Traumatische Schädigung: Kopfverletzungen, die den Sehnerv betreffen
  • Toxische Einwirkung: Bestimmte Medikamente oder Giftstoffe
  • Erbliche Erkrankungen: Zum Beispiel die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON) oder die dominante Optikusatrophie
  • Frühgeburt: Schädigung des noch unreifen Sehnervs
  • Glaukom: Chronisch erhöhter Augeninnendruck als häufige Ursache bei Erwachsenen

Bei Kindern kann die Optikusatrophie bereits bei Geburt bestehen oder sich in den ersten Lebensjahren entwickeln.

Symptome

Die Beschwerden hängen davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind:

  • Verschlechterung der Sehschärfe, von leichter Unschärfe bis zur Erblindung
  • Gesichtsfeldausfälle, „blinde Flecken" im Sichtfeld
  • Gestörtes Farbsehen, Farben erscheinen blasser
  • Eingeschränkte Pupillenreaktion auf Licht

Bei einseitiger Optikusatrophie fällt die Sehschwäche bei Kindern häufig erst spät auf, da das gesunde Auge kompensiert.

Blasser Sehnerv: Ursache und Verlauf abklären

Eine Optikusatrophie ist die Folge einer anderen Schädigung des Sehnervs, deshalb steht die Suche nach der Ursache im Mittelpunkt. Dr. Stefan Langenegger (Schwerpunkt Neuroophthalmologie) untersucht Kinder und Erwachsene in unserer Praxis am Bahnhofplatz Zürich, koordiniert bei Bedarf Bildgebung und weitere Fachstellen und begleitet den Verlauf.

Diagnose

Die Diagnose wird durch eine gründliche augenärztliche Untersuchung gestellt:

  • Augenhintergrunduntersuchung: Der geschädigte Sehnerv erscheint auffällig blass
  • Sehschärfe- und Refraktionsprüfung
  • Pupillenreaktion: Prüfung des relativen afferenten Pupillendefekts (RAPD)
  • Gesichtsfelduntersuchung: Erfassung von Ausfällen
  • Farbsehtests
  • OCT (optische Kohärenztomographie): Messung der Nervenfaserschichtdicke um den Sehnerv
  • MRT: Bei Verdacht auf Tumoren, Entzündungen oder andere strukturelle Ursachen

Behandlung

Bereits abgestorbene Nervenfasern können nicht wiederhergestellt werden: Eine Rückbildung der Atrophie ist nicht möglich. Die Behandlung zielt daher darauf ab:

  • Ursache beseitigen: Behandlung eines erhöhten Hirndrucks, Entfernung eines Tumors, Therapie einer Entzündung
  • Weiteren Schaden verhindern: Engmaschige Überwachung und frühzeitiges Eingreifen bei behandelbaren Ursachen
  • Vorhandenes Sehvermögen optimieren: Passende Brillenkorrektur, Lupen und andere Vergrösserungshilfen, getönte Gläser bei Blendempfindlichkeit
  • Schutz des gesunden Auges: Bei einseitiger Atrophie sollte das gesunde Auge mit einer Schutzbrille bei Sport und Risikoaktivitäten geschützt werden

Unterstützung für Kinder

Kinder mit deutlicher Optikusatrophie profitieren von:

  • Frühförderung und spezialisierten Bildungsangeboten
  • Angepassten Lernmaterialien (z. B. Grossdruck, elektronische Hilfsmittel)
  • Nachteilsausgleich in der Schule
  • Regelmässiger augenärztlicher Begleitung, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Hilfsmittel anzupassen

Auch wenn die Optikusatrophie selbst nicht heilbar ist, kann eine umfassende Betreuung dazu beitragen, dass betroffene Kinder ihr vorhandenes Sehvermögen bestmöglich nutzen und sich altersgerecht entwickeln.

Dr. Stefan Langenegger, Augenarzt Zürich

Dr. Stefan Langenegger

Behandelnder Augenarzt

044 442 04 05