Eine Hirnnervenparese liegt vor, wenn einer der Hirnnerven, die die Augenmuskeln steuern, in seiner Funktion eingeschränkt ist. Die Folge sind Bewegungsstörungen des Auges, eine Fehlstellung (Schielen) und häufig Doppelbilder. Drei Hirnnerven sind für die Augenbewegungen verantwortlich: der Nervus oculomotorius (III. Hirnnerv), der Nervus trochlearis (IV. Hirnnerv) und der Nervus abducens (VI. Hirnnerv). Je nachdem, welcher Nerv betroffen ist, ergeben sich unterschiedliche Ausfallmuster.
Steuert die meisten Augenmuskeln sowie das Heben des Oberlids und die Pupillenverengung. Bei einer Parese des III. Hirnnervs kann es zu folgenden Symptomen kommen:
Eine plötzliche Parese des III. Hirnnervs mit erweiterter Pupille erfordert eine sofortige neurologische Abklärung, da eine lebensbedrohliche Ursache (z. B. Hirnaneurysma) ausgeschlossen werden muss.
Steuert den oberen schrägen Augenmuskel (Musculus obliquus superior), der das Auge nach unten und innen bewegt. Eine Parese des IV. Hirnnervs ist die häufigste isolierte Hirnnervenparese. Typische Zeichen sind:
Steuert den äusseren geraden Augenmuskel (Musculus rectus lateralis), der das Auge nach aussen bewegt. Bei einer Parese des VI. Hirnnervs:
Bereits bei Geburt bestehend, häufig als Parese des IV. Hirnnervs. Bei angeborenen Formen haben Kinder oft keine Doppelbilder, da das Gehirn das Bild des betroffenen Auges unterdrückt. Eine Kopfzwangshaltung kann der einzige Hinweis sein.
Mögliche Ursachen bei Erwachsenen und Kindern:
Die Untersuchung umfasst:
Viele erworbene Hirnnervenparesen, insbesondere die durch Durchblutungsstörungen verursachten, bessern sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten spontan. In dieser Zeit wird der Verlauf regelmässig kontrolliert.
Wenn die Fehlstellung nach 6 bis 12 Monaten bestehen bleibt und stabil ist, kann eine Schieloperation die Augenstellung korrigieren und Doppelbilder beseitigen oder verringern.
Die Ursache der Hirnnervenparese muss identifiziert und behandelt werden, sei es die Einstellung von Diabetes und Bluthochdruck, die Behandlung einer Infektion oder die operative Versorgung eines Tumors oder Aneurysmas.
Bei Kindern mit angeborener oder frühkindlicher Hirnnervenparese besteht das Risiko einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit), wenn ein Auge dauerhaft unterdrückt wird. Regelmässige augenärztliche Kontrollen sind daher besonders wichtig, um die Sehentwicklung zu überwachen und gegebenenfalls eine Amblyopiebehandlung einzuleiten.
Eine neu aufgetretene Hirnnervenparese, besonders eine Parese des III. Hirnnervs mit erweiterter Pupille, ist ein Notfall und muss sofort abgeklärt werden. Auch bei plötzlichen Doppelbildern zusammen mit Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder anderen neurologischen Symptomen sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen.