Ein Hyphäma ist eine Blutansammlung in der Vorderkammer des Auges, dem Raum zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut (Iris). Es handelt sich um eine ernste Augenverletzung, die umgehend augenärztlich behandelt werden muss, um Folgeschäden zu verhindern.
Ursachen
Die häufigste Ursache ist eine stumpfe Verletzung des Auges, zum Beispiel durch einen Ball, Ellbogenstoss oder Sturz. Weitere mögliche Ursachen sind:
Augenverletzungen beim Sport: Besonders Ballsportarten ohne Schutzbrille
Zustand nach Augenoperation: Als Komplikation nach intraokularen Eingriffen
Abnorme Blutgefässe: Bei bestimmten Augenerkrankungen (z. B. Neovaskularisation bei Diabetes oder nach Gefässverschlüssen)
Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder medikamentös bedingte Gerinnungsstörungen erhöhen das Risiko
Sichelzellanämie: Patientinnen und Patienten mit Sichelzellerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei einem Hyphäma
Symptome
Sichtbare Blutansammlung im Auge (rötliche Schicht vor der Iris, besonders bei aufrechter Haltung)
Verschwommenes Sehen oder Sehverschlechterung
Augenschmerzen
Lichtempfindlichkeit
Bei schwerem Hyphäma: das gesamte Auge erscheint dunkelrot
Schweregrade
Grad I: Blut füllt weniger als ein Drittel der Vorderkammer
Grad II: Ein Drittel bis die Hälfte der Vorderkammer ist gefüllt
Grad III: Mehr als die Hälfte der Vorderkammer ist mit Blut gefüllt
Grad IV (Totalhyphäma / „Eight-Ball"): Die gesamte Vorderkammer ist mit Blut ausgefüllt und erscheint schwarz
Blut im Auge nach einem Schlag oder Sturz?
Eine Blutung vor der Regenbogenhaut nach einem Ball, Stoss oder Sturz muss umgehend augenärztlich beurteilt werden, auch bei Kindern. Rufen Sie unsere Praxis am Zürcher Hauptbahnhof an, wir schätzen die Dringlichkeit ein. Ausserhalb der Öffnungszeiten erreichen Sie den Notfalldienst Kanton Zürich unter 0800 33 66 55.
Die Therapie zielt darauf ab, eine erneute Blutung zu verhindern und den Augeninnendruck zu kontrollieren:
Ruhe mit erhöhtem Oberkörper: Der Kopf wird hochgelagert (30–45 Grad), damit sich das Blut unten in der Vorderkammer sammelt und das Sehen weniger beeinträchtigt.
Augenschutz: Ein Schild (keine Augenklappe) schützt das Auge vor weiteren Stössen.
Kortisonhaltige Augentropfen: Zur Entzündungshemmung.
Pupillenerweiternde Tropfen (Mydriatika): Halten die Regenbogenhaut ruhig und lindern Schmerzen.
Vermeidung von Aspirin und Ibuprofen: Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung und erhöhen das Risiko einer Nachblutung. Falls Schmerzmedikamente benötigt werden, ist Paracetamol (Acetaminophen) die sicherere Wahl.
Drucksenkende Augentropfen: Bei erhöhtem Augeninnendruck.
Operation: In schweren Fällen, z.B. bei nicht abklingendem Blut, sehr hohem Augeninnendruck oder drohender Hornhautschädigung, kann das Blut chirurgisch entfernt werden.
Nachblutung
In den ersten 3–5 Tagen nach der Erstverletzung besteht das Risiko einer erneuten Blutung (Rezidivblutung), die oft stärker ausfällt als die erste. Deshalb sind in dieser Phase körperliche Schonung und regelmässige Kontrollen besonders wichtig.
Mögliche Komplikationen
Erhöhter Augeninnendruck: Das Blut kann den Abfluss des Kammerwassers behindern und ein sekundäres Glaukom verursachen.
Hornhautblutfärbung: Bei langem Kontakt mit Blut kann sich die Hornhaut verfärben.
Langfristiges Glaukomrisiko: Auch nach Abheilung sollte der Augeninnendruck in den Folgejahren regelmässig kontrolliert werden.
Vorbeugung
Viele Hyphäma-Fälle bei Kindern und Jugendlichen lassen sich durch das Tragen einer Sportschutzbrille mit Polycarbonat-Gläsern vermeiden. Vor allem bei Ballsportarten und anderen risikoreichen Aktivitäten.