Zum Glossar

Hyphäma (Vorderkammerblutung)

Ein Hyphäma ist eine Blutansammlung in der Vorderkammer des Auges, dem Raum zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut (Iris). Es handelt sich um eine ernste Augenverletzung, die umgehend augenärztlich behandelt werden muss, um Folgeschäden zu verhindern.

Ursachen

Die häufigste Ursache ist eine stumpfe Verletzung des Auges, zum Beispiel durch einen Ball, Ellbogenstoss oder Sturz. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Augenverletzungen beim Sport: Besonders Ballsportarten ohne Schutzbrille
  • Zustand nach Augenoperation: Als Komplikation nach intraokularen Eingriffen
  • Abnorme Blutgefässe: Bei bestimmten Augenerkrankungen (z. B. Neovaskularisation bei Diabetes oder nach Gefässverschlüssen)
  • Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder medikamentös bedingte Gerinnungsstörungen erhöhen das Risiko
  • Sichelzellanämie: Patientinnen und Patienten mit Sichelzellerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei einem Hyphäma

Symptome

  • Sichtbare Blutansammlung im Auge (rötliche Schicht vor der Iris, besonders bei aufrechter Haltung)
  • Verschwommenes Sehen oder Sehverschlechterung
  • Augenschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Bei schwerem Hyphäma: das gesamte Auge erscheint dunkelrot

Schweregrade

  • Grad I: Blut füllt weniger als ein Drittel der Vorderkammer
  • Grad II: Ein Drittel bis die Hälfte der Vorderkammer ist gefüllt
  • Grad III: Mehr als die Hälfte der Vorderkammer ist mit Blut gefüllt
  • Grad IV (Totalhyphäma / „Eight-Ball"): Die gesamte Vorderkammer ist mit Blut ausgefüllt und erscheint schwarz

Behandlung

Die Therapie zielt darauf ab, eine erneute Blutung zu verhindern und den Augeninnendruck zu kontrollieren:

  • Ruhe mit erhöhtem Oberkörper: Der Kopf wird hochgelagert (30–45 Grad), damit sich das Blut unten in der Vorderkammer sammelt und das Sehen weniger beeinträchtigt.
  • Augenschutz: Ein Schild (keine Augenklappe) schützt das Auge vor weiteren Stössen.
  • Kortisonhaltige Augentropfen: Zur Entzündungshemmung.
  • Pupillenerweiternde Tropfen (Mydriatika): Halten die Regenbogenhaut ruhig und lindern Schmerzen.
  • Vermeidung von Aspirin und Ibuprofen: Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung und erhöhen das Risiko einer Nachblutung. Falls Schmerzmedikamente benötigt werden, ist Paracetamol (Acetaminophen) die sicherere Wahl.
  • Drucksenkende Augentropfen: Bei erhöhtem Augeninnendruck.
  • Operation: In schweren Fällen, z.B. bei nicht abklingendem Blut, sehr hohem Augeninnendruck oder drohender Hornhautschädigung, kann das Blut chirurgisch entfernt werden.

Nachblutung

In den ersten 3–5 Tagen nach der Erstverletzung besteht das Risiko einer erneuten Blutung (Rezidivblutung), die oft stärker ausfällt als die erste. Deshalb sind in dieser Phase körperliche Schonung und regelmässige Kontrollen besonders wichtig.

Mögliche Komplikationen

  • Erhöhter Augeninnendruck: Das Blut kann den Abfluss des Kammerwassers behindern und ein sekundäres Glaukom verursachen.
  • Hornhautblutfärbung: Bei langem Kontakt mit Blut kann sich die Hornhaut verfärben.
  • Langfristiges Glaukomrisiko: Auch nach Abheilung sollte der Augeninnendruck in den Folgejahren regelmässig kontrolliert werden.

Vorbeugung

Viele Hyphäma-Fälle bei Kindern und Jugendlichen lassen sich durch das Tragen einer Sportschutzbrille mit Polycarbonat-Gläsern vermeiden. Vor allem bei Ballsportarten und anderen risikoreichen Aktivitäten.