Zum Glossar

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Augenerkrankung, die als Folge eines Diabetes mellitus auftritt. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die feinen Blutgefässe der Netzhaut (Retina) und können unbehandelt zu erheblichem Sehverlust bis hin zur Erblindung führen. Sie ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Sehbehinderung im erwerbsfähigen Alter.

Diabetes mellitus: Was ist das?

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper den Blutzucker nicht richtig regulieren kann. Man unterscheidet hauptsächlich:

  • Typ 1: Tritt meist im Kindes- und Jugendalter auf. Die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr.
  • Typ 2: Tritt häufiger im Erwachsenenalter auf und ist oft mit Übergewicht verbunden. Der Körper kann das vorhandene Insulin nicht ausreichend nutzen.
  • Schwangerschaftsdiabetes: Entsteht während der Schwangerschaft und bildet sich meist nach der Geburt zurück.

Hohe Blutzuckerwerte schädigen Blutgefässe im gesamten Körper. Auch die besonders empfindlichen Gefässe der Netzhaut.

Wie entsteht die diabetische Retinopathie?

Die kleinen Blutgefässe der Netzhaut reagieren besonders empfindlich auf Schwankungen und erhöhte Werte des Blutzuckers. Zunächst werden die Gefässwände durchlässig, und es kommt zu kleinen Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut. Im weiteren Verlauf können Gefässe verschliessen, sodass Teile der Netzhaut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Als Reaktion bildet der Körper neue, jedoch minderwertige Blutgefässe, die leicht platzen und zu grösseren Blutungen führen können.

Stadien

Nicht-proliferative diabetische Retinopathie (NPDR)

Im Frühstadium finden sich kleine Gefässaussackungen (Mikroaneurysmen), punktförmige Blutungen und Eiweissablagerungen (harte Exsudate) in der Netzhaut. Viele Betroffene bemerken in diesem Stadium noch keine Sehveränderungen.

Diabetisches Makulaödem

Flüssigkeit sammelt sich im Bereich der Makula (Stelle des schärfsten Sehens) an. Dies führt zu verschwommenem oder verzerrtem Sehen und ist die häufigste Ursache für Sehverschlechterung bei Diabetes.

Proliferative diabetische Retinopathie (PDR)

Neue, instabile Blutgefässe wachsen in die Netzhaut oder den Glaskörper ein. Diese können bluten und Narben bilden, die im schlimmsten Fall eine Netzhautablösung verursachen.

Weitere Augenprobleme bei Diabetes

Neben der Retinopathie erhöht Diabetes das Risiko für:

  • Katarakt (Grauer Star): Linsentrübungen treten bei Diabetikern früher und häufiger auf
  • Glaukom (Grüner Star): Erhöhter Augeninnendruck
  • Vorübergehende Sehschwankungen: Blutzuckerschwankungen können die Linse vorübergehend verformen
  • Augenmuskellähmungen: Durchblutungsstörungen der Augennerven können zu Doppelbildern führen

Diagnose

Die diabetische Retinopathie wird durch eine Untersuchung des Augenhintergrundes bei erweiterter Pupille erkannt. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • OCT (Optische Kohärenztomographie): Zeigt Flüssigkeitsansammlungen und Verdickungen der Netzhaut
  • Fluoreszenzangiographie: Macht undichte oder verschlossene Gefässe sichtbar

Behandlung

Optimale Blutzuckereinstellung

Die wichtigste Massnahme ist eine konsequente Kontrolle des Blutzuckers, des Blutdrucks und der Blutfette. Studien zeigen, dass eine gute Stoffwechseleinstellung das Fortschreiten der Retinopathie deutlich verlangsamen kann.

Intravitreale Injektionen

Bei einem Makulaödem werden Medikamente (Anti-VEGF-Präparate oder Steroide) direkt in den Glaskörper des Auges injiziert. Sie hemmen das Wachstum krankhafter Gefässe und reduzieren die Schwellung.

Laserbehandlung

Mit gezielter Laserkoagulation können undichte Gefässe verödet und das Wachstum neuer, instabiler Gefässe gebremst werden.

Operative Eingriffe

Bei fortgeschrittener Erkrankung mit Glaskörperblutung oder Netzhautablösung kann eine Vitrektomie (operative Entfernung des Glaskörpers) erforderlich sein.

Vorsorge und Früherkennung

Da die diabetische Retinopathie lange Zeit symptomlos verläuft, sind regelmässige augenärztliche Kontrollen unverzichtbar:

  • Typ-1-Diabetes: Erste Augenuntersuchung spätestens fünf Jahre nach Diagnosestellung, danach mindestens jährlich
  • Typ-2-Diabetes: Augenuntersuchung bei Diagnosestellung, danach mindestens jährlich
  • Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaft bei bestehendem Diabetes: Engmaschige Kontrollen nach Empfehlung des Augenarztes

Unser Rat

Wenn Sie oder Ihr Kind an Diabetes erkrankt sind, nehmen Sie die empfohlenen Augenuntersuchungen unbedingt wahr, auch wenn das Sehen gut erscheint. Je früher Veränderungen an der Netzhaut erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt bzw. Diabetologen und Augenarzt ist dabei entscheidend.