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Farbenfehlsichtigkeit

Farbenfehlsichtigkeit, medizinisch als Farbsinnstörung oder Dyschromatopsie bezeichnet, bedeutet, dass bestimmte Farben nicht oder nur eingeschränkt unterschieden werden können. In der Netzhaut befinden sich drei Arten von Zapfenzellen, die jeweils auf rotes, grünes oder blaues Licht reagieren. Fehlen eines oder mehrere dieser Pigmente oder funktionieren sie nicht richtig, kommt es zu Schwierigkeiten bei der Farbwahrnehmung.

Formen der Farbenfehlsichtigkeit

Rot-Grün-Schwäche

Die häufigste Form betrifft die Unterscheidung von Rot- und Grüntönen. Sie wird X-chromosomal vererbt und betrifft deshalb vorwiegend Männer: Etwa jeder zwölfte Mann, aber nur etwa jede zweihundertste Frau ist betroffen. Man unterscheidet:

  • Protanomalie (Rotschwäche): Rottöne werden schwächer wahrgenommen
  • Deuteranomalie (Grünschwäche): Grüntöne werden schwächer wahrgenommen

Blau-Gelb-Schwäche (Tritanomalie)

Diese seltene Form betrifft die Unterscheidung von Blau- und Gelbtönen. Sie wird nicht geschlechtsgebunden vererbt.

Achromatopsie (vollständige Farbenblindheit)

Die schwerste Form, bei der keine Farben wahrgenommen werden. Betroffene sehen die Welt in Graustufen und leiden zusätzlich unter verminderter Sehschärfe, Lichtempfindlichkeit und Nystagmus (Augenzittern). Achromatopsie ist sehr selten (etwa 1 von 30'000 Geburten) und wird durch Mutationen in bestimmten Genen (u. a. CNGA3, CNGB3) verursacht.

Symptome

Die Anzeichen einer Farbenfehlsichtigkeit sind oft subtil:

  • Ähnliche Farbtöne lassen sich nicht auseinanderhalten
  • Farben wirken blasser als gewöhnlich
  • Kinder verwenden beim Malen ungewöhnliche Farben, z.B. lila für den Himmel oder orange für Gras
  • Schwierigkeiten mit farbcodierten Materialien in der Schule

Da Betroffene ihre Farbwahrnehmung nie anders kannten, bemerken sie die Einschränkung oft nicht von selbst. Häufig fällt die Farbsinnstörung erst in der Schule oder bei einer Routineuntersuchung auf.

Diagnose

Die Farbwahrnehmung kann im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung getestet werden. Zu den gebräuchlichsten Methoden gehören:

  • Ishihara-Farbtafeln: Tafeln mit farbigen Punkten, in denen Zahlen oder Formen verborgen sind. Personen mit Farbsinnstörungen erkennen bestimmte Muster nicht.
  • Farnsworth-Test: Differenziertere Testverfahren, die das Ausmass der Störung genauer bestimmen
  • Anomaloskop: Ein spezielles Gerät, das eine exakte Klassifizierung der Art und Stärke der Farbsinnstörung erlaubt

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind Farben schlecht unterscheidet, sprechen Sie dies bei der nächsten Augenuntersuchung an.

Behandlung

Vererbte Farbenfehlsichtigkeit

Eine angeborene Farbsinnstörung bleibt ein Leben lang bestehen. Es gibt keine Heilung. Spezielle Filterbrillen (z. B. mit EnChroma-Technologie) können manchen Menschen mit Rot-Grün-Schwäche helfen, Farbunterschiede deutlicher wahrzunehmen. Sie stellen jedoch kein normales Farbsehen her und funktionieren nicht bei allen Formen.

Gentherapie-Forschung

Für die schwere Achromatopsie laufen vielversprechende Gentherapie-Studien. Diese befinden sich jedoch noch in der Erprobungsphase.

Erworbene Farbsinnstörungen

In seltenen Fällen kann eine Farbsinnstörung durch Erkrankungen des Sehnervs, der Netzhaut oder durch bestimmte Medikamente entstehen. In diesen Fällen richtet sich die Behandlung nach der Grunderkrankung.

Tipps für den Alltag

Für Eltern

  • Informieren Sie Lehrpersonen und Betreuende über die Farbsinnstörung Ihres Kindes
  • Bitten Sie darum, dass Lehrmaterialien nicht ausschliesslich auf Farbcodierung setzen
  • Beschriften Sie Farbstifte mit dem Farbnamen
  • Verwenden Sie kontrastreiche Materialien (schwarze Schrift auf weissem Papier)
  • Helfen Sie Ihrem Kind, Farben anhand von Alltagsgegenständen zu lernen (z. B. „Gras ist grün", „der Himmel ist blau")

Für Erwachsene

  • Nutzen Sie Smartphone-Apps, die Farben erkennen und benennen können
  • Organisieren Sie Kleidung systematisch, um Farbkombinationen zu erleichtern
  • Achten Sie bei der Berufswahl darauf, dass bestimmte Tätigkeiten eine einwandfreie Farbwahrnehmung voraussetzen (z. B. Pilot, Elektroinstallateur, Lokführer, Feuerwehr)

Berufliche Einschränkungen

Farbenfehlsichtigkeit stellt im Alltag keine schwere Behinderung dar, da Betroffene lernen, andere Merkmale wie Helligkeit, Position und Kontext zu nutzen. Bestimmte Berufe können jedoch erschwert oder ausgeschlossen sein, darunter:

  • Pilot und Fluglotse
  • Lokführer und Verkehrsberufe
  • Elektroinstallateur
  • Bestimmte medizinische und labortechnische Berufe
  • Modedesign, Grafikdesign, Floristik