Augenmuskelerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen
Das menschliche Auge wird von sechs äusseren Augenmuskeln bewegt, die ein präzises Zusammenspiel ermöglichen. Störungen dieser Muskulatur oder ihrer Nervenversorgung führen zu Fehlstellungen der Augen (Strabismus), Bewegungseinschränkungen und häufig zu Doppelbildern oder Sehschwäche. Augenmuskelerkrankungen können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.
Die sechs Augenmuskeln
Jedes Auge wird von sechs Muskeln gesteuert, die von drei Hirnnerven versorgt werden:
Vier gerade Muskeln (Recti): Bewegen das Auge nach oben, unten, innen und aussen
Zwei schräge Muskeln (Obliqui): Ermöglichen Rotationsbewegungen und unterstützen vertikale Blickbewegungen
Die koordinierte Steuerung aller zwölf Augenmuskeln (sechs pro Auge) durch das Gehirn sorgt dafür, dass beide Augen in jede Blickrichtung parallel ausgerichtet sind.
Häufige Augenmuskelerkrankungen bei Kindern
Strabismus (Schielen)
Die häufigste Augenmuskelstörung im Kindesalter. Die Augen sind nicht parallel ausgerichtet:
Esotropie: Einwärtsschielen (zur Nase hin)
Exotropie: Auswärtsschielen (von der Nase weg)
Hypertropie/Hypotropie: Höhen- oder Tieferschielen
Hirnnervenlähmungen
Trochlearisparese (IV. Hirnnerv): Häufigste isolierte Hirnnervenlähmung bei Kindern. Das Auge kann sich nicht richtig nach unten und innen bewegen; typisch ist eine Kopfneigung.
Abduzensparese (VI. Hirnnerv): Eingeschränkte Auswärtsbewegung des betroffenen Auges, führt zu Einwärtsschielen und Doppelbildern im Seitenblick.
Okulomotoriusparese (III. Hirnnerv): Betrifft mehrere Augenmuskeln gleichzeitig und kann mit einem hängenden Lid (Ptosis) und einer erweiterten Pupille einhergehen.
Duane-Syndrom
Das Duane-Syndrom ist eine angeborene Fehlinnervation mit eingeschränkter horizontaler Augenbeweglichkeit (siehe separater Glossareintrag).
Brown-Syndrom
Eingeschränkte Aufwärtsbewegung des Auges in der Einwärtsstellung, verursacht durch eine verkürzte oder verdickte Sehne des oberen schrägen Muskels.
Häufige Augenmuskelerkrankungen bei Erwachsenen
Hirnnervenlähmungen
Häufige Ursachen sind Durchblutungsstörungen (Diabetes, Bluthochdruck), Schlaganfall, Tumoren, Entzündungen oder Traumata
Plötzlich auftretende Doppelbilder sind das Leitsymptom
Viele Fälle bei vaskulärer Ursache erholen sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten spontan
Endokrine Orbitopathie (Morbus Basedow)
Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die zu einer Verdickung der Augenmuskeln führt
Häufig sind die Muskeln für die Aufwärts- und Auswärtsbewegung betroffen
Autoimmunerkrankung, die die Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel stört
Typisch: Wechselnde Doppelbilder und Ptosis, die im Tagesverlauf zunehmen
Die Augenmuskeln sind häufig zuerst betroffen
Residualer Kindheitsstrabismus
Ein seit der Kindheit bestehendes Schielen kann im Erwachsenenalter zunehmen oder erstmals bewusst stören
Moderne Behandlungsmethoden stehen auch Erwachsenen zur Verfügung
Doppelbilder oder Schielen im Erwachsenenalter?
Augenmuskelerkrankungen lassen sich in jedem Alter behandeln, mit Prismen, Botulinumtoxin oder einer Operation. Dr. Stefan Langenegger bespricht mit Ihnen in Ruhe, welche Option zu Ihnen passt, auch als Zweitmeinung nach früheren Eingriffen.
Verkürzung oder Rücklagerung eines oder mehrerer Augenmuskeln
Anwendung verstellbarer Nähte bei Erwachsenen, um das Ergebnis postoperativ fein abzustimmen
In einigen Fällen sind mehrere Eingriffe erforderlich
Was Sie wissen sollten
Bei plötzlich auftretenden Doppelbildern, insbesondere in Verbindung mit Kopfschmerzen, Lidherabhängen oder Schwindel, ist eine rasche ärztliche Abklärung notwendig.
Augenmuskelerkrankungen können in jedem Alter behandelt werden. Auch Erwachsene profitieren von einer Operation.
Bei Kindern ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung entscheidend, um eine Amblyopie zu verhindern und das beidäugige Sehen zu fördern.