Anisometropie bedeutet, dass beide Augen unterschiedlich stark fehlsichtig sind. Das kann bedeuten, dass ein Auge stärker kurzsichtig ist als das andere, ein Auge weitsichtig und das andere kurzsichtig ist oder ein Auge zusätzlich eine stärkere Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) aufweist.
Kleine Unterschiede sind normal und machen meist keine Probleme. Grössere Differenzen können jedoch das Zusammenspiel der Augen stören. Das Gehirn hat dann Schwierigkeiten, aus zwei sehr unterschiedlichen Bildern ein klares Gesamtbild zu formen. Die Folge können Kopfschmerzen, schnelles Ermüden der Augen, Unsicherheit beim Lesen oder eine gestörte räumliche Wahrnehmung sein.
Wenn ein Auge deutlich besser sieht als das andere, bevorzugt das Gehirn während der Sehentwicklung das schärfere Bild. Das schwächere Auge wird zunehmend ignoriert: eine sogenannte Amblyopie (Sehschwäche) entsteht. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt, kann die Sehschwäche des betroffenen Auges dauerhaft bestehen bleiben. Das Tückische: Da das gute Auge problemlos kompensiert, fällt die Anisometropie im Alltag oft nicht auf. Kinder klagen selten, und äusserlich ist meist nichts zu erkennen. Es sei denn, das schwächere Auge beginnt zu schielen.
Die meisten Fälle werden zufällig entdeckt, zum Beispiel bei:
Deshalb empfehlen Augenärzte, Kinder spätestens im Alter von drei bis vier Jahren auf Fehlsichtigkeiten untersuchen zu lassen. Haben Sie als Eltern in irgendeinem Alter Bedenken bezüglich des Sehvermögens Ihres Kindes, sollten Sie eine augenärztliche Kontrolle veranlassen.
Behandelt wird Anisometropie in der Regel mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen, manchmal ergänzt durch eine Sehschulung (Okklusionstherapie). So können beide Augen möglichst gleichmässig am Sehen beteiligt werden.
Der erste und wichtigste Schritt ist die Verordnung einer passenden Brille, die den Sehfehler beider Augen ausgleicht. Die Brille muss konsequent getragen werden – in der Regel den ganzen Tag. Je früher die Korrektur beginnt, desto besser sind die Chancen, eine Amblyopie zu verhindern.
Reicht die Brille allein nicht aus, um die Sehschwäche des unterentwickelten Auges zu beheben, stehen weitere Therapien zur Verfügung:
Regelmässige Nachkontrollen sind wichtig, um den Behandlungserfolg zu überwachen und die Brille bei Bedarf anzupassen.
Die Brillenwerte von Kindern verändern sich im Wachstum, aber der Unterschied zwischen den beiden Augen bleibt häufig bestehen. Der Behandlungserfolg hängt wesentlich davon ab:
Manche Kinder können die Brille im Jugendalter ablegen, viele benötigen sie jedoch langfristig. Entscheidend ist, dass die Sehentwicklung in den ersten Lebensjahren optimal unterstützt wird. Verpasste Zeit lässt sich später nur schwer aufholen.