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Anisokorie und Horner-Syndrom

Anisokorie bezeichnet einen Zustand, bei dem die Pupillen beider Augen unterschiedlich gross sind. Ein geringer Grössenunterschied ist bei bis zu 30 % der Bevölkerung normal (physiologische Anisokorie). Ein grösserer, wechselnder oder neu aufgetretener Unterschied kann jedoch auf eine Augen- oder neurologische Erkrankung hinweisen und sollte augenärztlich abgeklärt werden.

Wie funktioniert die Pupille?

Die Iris, der farbige Ring des Auges, umgibt die Pupille, die zentrale Öffnung, durch die Licht ins Auge fällt. Zwei Muskelsysteme in der Iris regulieren die Pupillenweite:

  • Bei Helligkeit zieht sich die Pupille zusammen (Miosis), um weniger Licht einzulassen.
  • Im Dunkeln erweitert sie sich (Mydriasis), um möglichst viel Licht aufzunehmen.

Normalerweise reagieren beide Pupillen gleichzeitig und symmetrisch.

Wann ist eine Anisokorie abklärungsbedürftig?

Der Augenarzt achtet darauf, in welcher Lichtsituation der Unterschied grösser wird:

  • Unterschied grösser im Dunkeln: Die kleinere Pupille ist verdächtig, sie erweitert sich nicht ausreichend. Dies kann auf ein Horner-Syndrom hindeuten.
  • Unterschied grösser bei Helligkeit: Die grössere Pupille ist auffällig, sie verengt sich nicht richtig. Ursachen können eine Hirnnervenlähmung, das Adie-Syndrom oder ein Trauma sein.

Bei der physiologischen Anisokorie bleibt der Grössenunterschied (meist unter 1 mm) bei allen Lichtverhältnissen gleich.

Ursachen einer auffällig grossen Pupille

  • Augenverletzung: Schäden an der Iris können die Pupille dauerhaft weit stellen.
  • Medikamente: Bestimmte Augentropfen, Nasensprays oder Wirkstoffpflaster können versehentlich eine Pupille erweitern. Informieren Sie den Arzt über alle angewendeten Medikamente.
  • Adie-Syndrom (tonische Pupille): Die Pupille reagiert langsam und unvollständig auf Licht. Häufig sind auch Reflexe vermindert und die Naheinstellung erschwert.
  • Okulomotoriusparese (Lähmung des 3. Hirnnervs): Eine erweiterte Pupille zusammen mit einem herabhängenden Oberlid und Doppelbildern kann auf eine ernste Ursache hinweisen und muss dringend abgeklärt werden.

Ursachen einer auffällig kleinen Pupille

  • Entzündung im Auge (Iritis): Entzündliche Verklebungen können die Pupille verengen.
  • Horner-Syndrom: Eine Schädigung der sympathischen Nervenbahnen führt zu einer kleinen Pupille auf der betroffenen Seite.

Was ist das Horner-Syndrom?

Beim Horner-Syndrom sind die sympathischen Nerven geschädigt, die vom Gehirn über Hals und Brustkorb zum Auge verlaufen. Die typischen Zeichen sind:

  • Miosis: Die betroffene Pupille ist kleiner und erweitert sich im Dunkeln verzögert.
  • Ptosis: Das Oberlid hängt leicht herab, manchmal ist auch das Unterlid etwas angehoben – das Auge wirkt insgesamt kleiner.
  • Heterochromie: Tritt das Horner-Syndrom im ersten Lebensjahr auf, kann die Iris der betroffenen Seite heller bleiben als die der anderen.
  • Gelegentlich: vermindertes Schwitzen und geringere Hautrötung auf der betroffenen Gesichtshälfte.

Ursachen des Horner-Syndroms bei Kindern

Das Horner-Syndrom bei Kindern kann angeboren oder erworben sein:

  • Angeboren: Häufig durch Geburtsverletzungen an Hals oder Schulter. In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar.
  • Erworben: Möglich durch Halsverletzungen, Operationen am Hals oder Tumoren in Brustkorb, Hals oder Gehirn. Bei Kindern muss insbesondere ein Neuroblastom ausgeschlossen werden: ein Tumor, der die sympathischen Nerven befallen kann.

Diagnostik

Besteht der Verdacht auf ein Horner-Syndrom, führt der Augenarzt zunächst eine gründliche Untersuchung durch, bei der Pupillenreaktionen, Lidstellung und Augenbewegungen geprüft werden. Spezielle Augentropfen (pharmakologische Testung) können die Diagnose bestätigen. Anschliessend werden je nach Verdacht bildgebende Verfahren (CT oder MRT von Kopf, Hals und Brustkorb) sowie Urinuntersuchungen veranlasst, um eine zugrundeliegende Ursache – insbesondere einen Tumor – auszuschliessen.

Wann sollten Sie den Augenarzt aufsuchen?

  • Wenn Sie bei Ihrem Kind unterschiedlich grosse Pupillen bemerken
  • Wenn ein Augenlid plötzlich herabhängt
  • Wenn Doppelbilder auftreten
  • Wenn nach einer Verletzung eine Pupillenveränderung auffällt

Eine rechtzeitige Abklärung schafft Klarheit und ermöglicht bei Bedarf eine frühzeitige Behandlung.