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Anatomie des Auges

Das menschliche Auge ist ein komplexes Sinnesorgan, das Lichtreize aufnimmt und in elektrische Signale umwandelt, die vom Gehirn zu Bildern verarbeitet werden. Für Patientinnen und Patienten, die eine Augenerkrankung oder Operation besser verstehen möchten, ist es hilfreich, die wichtigsten Strukturen des Auges zu kennen.

Äussere Strukturen des Auges

Augenmuskeln (extraokulare Muskeln)

Jedes Auge wird von sechs Muskeln bewegt, die es in alle Richtungen drehen können:

  • Musculus rectus superior: Bewegt das Auge nach oben
  • Musculus rectus inferior: Bewegt das Auge nach unten
  • Musculus rectus medialis: Bewegt das Auge zur Nase hin (nach innen)
  • Musculus rectus lateralis: Bewegt das Auge zur Schläfe hin (nach aussen)
  • Musculus obliquus superior: Verläuft durch eine Umlenkrolle (Trochlea) und dreht das Auge nach innen, bewegt es nach unten und aussen
  • Musculus obliquus inferior: Dreht das Auge nach aussen, bewegt es nach oben und aussen

Diese sechs Muskeln arbeiten wie die Fäden einer Marionette zusammen und sorgen dafür, dass beide Augen synchron in dieselbe Richtung blicken. Bei Schielerkrankungen ist das Zusammenspiel dieser Muskeln gestört.

Bindehaut (Konjunktiva)

Die Bindehaut ist eine dünne, durchsichtige Schleimhaut, die die Innenseite der Augenlider und den sichtbaren weissen Teil des Auges bedeckt. Bei Reizung oder Infektion rötet sie sich: man spricht dann von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis).

Tränendrüse

Die Tränendrüse befindet sich unter dem äusseren Rand der Augenbraue und produziert die Tränenflüssigkeit, die das Auge feucht hält, vor Infektionen schützt und für ein klares Sehen sorgt.

Lederhaut (Sklera)

Die Sklera ist die feste, weisse Aussenwand des Auges. Sie besteht aus Kollagenfasern, gibt dem Auge seine Form und dient den Augenmuskeln als Ansatzstelle.

Hornhaut (Cornea)

Die Hornhaut ist das klare, gewölbte Fenster an der Vorderseite des Auges. Sie lässt Licht herein und bricht es so, dass es auf der Netzhaut fokussiert wird. Kontaktlinsen liegen direkt auf der Hornhaut auf.

Innere Strukturen des Auges

Vordere Augenkammer

Der mit Kammerwasser gefüllte Raum zwischen Hornhaut und Iris. Das Kammerwasser ernährt Hornhaut und Linse und hält den Augeninnendruck aufrecht.

Iris und Pupille

Die Iris ist der farbige Teil des Auges. In ihrer Mitte liegt die Pupille – die Öffnung, durch die Licht ins Augeninnere gelangt. Muskeln in der Iris regulieren die Pupillenweite: Bei Helligkeit wird die Pupille eng, im Dunkeln weit.

Linse

Die Linse sitzt hinter der Iris und bündelt das einfallende Licht auf der Netzhaut. Feine Fasern (Zonulafasern) halten sie in Position und ermöglichen es ihr, ihre Form zu verändern, um sowohl nahe als auch ferne Objekte scharf abzubilden. Dieser Vorgang heisst Akkommodation. Wird die Linse trüb, spricht man von einem Grauen Star (Katarakt).

Ziliarkörper

Der Ziliarkörper liegt neben der Iris. Er produziert das Kammerwasser und enthält den Ziliarmuskel, der die Linsenform für die Nah- und Ferneinstellung verändert.

Glaskörper

Der Glaskörper füllt den grössten Teil des Augeninneren hinter der Linse. Er besteht aus einer gelartigen, transparenten Masse, die dem Auge seine Form verleiht und den Lichtweg zur Netzhaut freihält.

Netzhaut (Retina)

Die Netzhaut kleidet die Innenwand des Auges aus und funktioniert wie der Bildsensor einer Kamera. Sie nimmt Licht auf und wandelt es in elektrische Signale um, die über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet werden. In der Netzhaut befinden sich zwei Arten von lichtempfindlichen Zellen:

  • Stäbchen: Zuständig für das Sehen bei schwachem Licht, peripheres Sehen und die Wahrnehmung von Bewegungen
  • Zapfen: Zuständig für das Farbsehen und scharfes Sehen im Zentrum

Makula und Fovea

Die Makula ist ein kleiner Bereich in der Mitte der Netzhaut, der für die höchste Sehschärfe verantwortlich ist – zum Beispiel beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern. In ihrem Zentrum liegt die Fovea, der Punkt des schärfsten Sehens.

Aderhaut (Choroidea)

Die Aderhaut liegt zwischen Netzhaut und Sklera und ist reich an Blutgefässen. Sie versorgt die äusseren Schichten der Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Sehnerv (Nervus opticus)

Der Sehnerv bündelt über eine Million Nervenfasern und leitet die visuellen Informationen von der Netzhaut zum Gehirn. Am Chiasma opticum kreuzen sich Teile der Sehnerven beider Augen, sodass jede Gehirnhälfte Bildinformationen aus beiden Augen erhält.

Sehrinde (visueller Kortex)

Die Sehrinde befindet sich im Hinterhauptslappen des Gehirns. Hier werden die vom Auge empfangenen Signale zu einem bewussten Bild verarbeitet – mit allen Informationen über Farbe, Form, Tiefe und Bewegung.