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Glaukom bei Kindern (Grüner Star)

Das kindliche Glaukom ist eine seltene, aber ernste Augenerkrankung, bei der ein erhöhter Augeninnendruck den Sehnerv schädigt und unbehandelt zur Erblindung führen kann. Im Gegensatz zum Glaukom bei Erwachsenen erfordert das kindliche Glaukom fast immer eine operative Behandlung. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente, lebenslange Nachsorge sind entscheidend für den Erhalt des Sehvermögens.

Wie entsteht das kindliche Glaukom?

Im gesunden Auge wird ständig Kammerwasser produziert, das durch ein feines Abflusssystem (Trabekelwerk) im Kammerwinkel das Auge wieder verlässt. Beim Glaukom ist dieser Abfluss gestört, sodass sich Flüssigkeit staut und der Druck im Auge steigt. Dieser erhöhte Druck schädigt über die Zeit den Sehnerv und führt zu Gesichtsfeldausfällen.

Formen

Primäres kongenitales Glaukom

  • Tritt in den ersten Lebensjahren auf (häufig bereits bei Geburt oder in den ersten Monaten)
  • Ursache ist eine angeborene Fehlbildung des Kammerwinkels, die den Abfluss des Kammerwassers behindert
  • Kann ein- oder beidseitig auftreten; in etwa 70 % der Fälle sind beide Augen betroffen
  • Kommt häufiger bei Jungen vor

Infantiles und juveniles Glaukom

  • Tritt nach dem 1. bzw. nach dem 3. Lebensjahr auf
  • Mechanismus ähnlich wie beim kongenitalen Glaukom, aber die Diagnose wird oft erst später gestellt

Sekundäres Glaukom

Entsteht als Folge einer anderen Augenerkrankung oder eines Syndroms:

  • Aniridie (fehlende Regenbogenhaut)
  • Sturge-Weber-Syndrom (Feuermale im Gesicht)
  • Aphakieglaukom (nach Kataraktoperation im Kindesalter)
  • Uveitis (Augenentzündung)
  • Steroidinduziertes Glaukom (nach langfristiger Kortisontherapie)
  • Axenfeld-Rieger-Syndrom und andere Vorderkammeranomalien

Symptome

Bei Säuglingen und Kleinkindern

Die Symptome können subtil sein. Achten Sie auf:

  • Tränende Augen (Epiphora): oft der erste Hinweis
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Das Kind kneift die Augen bei Licht zusammen oder wendet den Kopf ab
  • Vergrössertes Auge (Buphthalmus, „Ochsenauge"): Da das kindliche Auge noch weich und dehnbar ist, kann es bei erhöhtem Druck grösser werden
  • Getrübte Hornhaut: Ein milchig-blauer Schleier über der Hornhaut durch ein Ödem
  • Vergrösserter Hornhautdurchmesser: Über 12 mm beim Neugeborenen ist verdächtig

Bei älteren Kindern

  • Oft weniger offensichtlich, da das Auge nicht mehr wächst
  • Verschwommenes Sehen oder zunehmende Kurzsichtigkeit
  • Auffällige Sehtestresultate in der Schule
  • Kopfschmerzen (selten als einziges Symptom)

Diagnose

Die vollständige Diagnostik umfasst (bei kleinen Kindern häufig in Narkose):

  • Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)
  • Untersuchung der Hornhaut: Durchmesser, Klarheit, Dicke (Pachymetrie)
  • Gonioskopie: Beurteilung des Kammerwinkels mit einer Speziallinse
  • Untersuchung des Sehnervs: Beurteilung der Aushöhlung (Papillenexkavation). Ein vergrössertes „Cupping" weist auf Druckschaden hin
  • Achsenlängenmessung: Ein ungewöhnlich langes Auge bei einem Säugling kann auf chronisch erhöhten Druck hinweisen
  • Bildgebung des Sehnervs (OCT) bei kooperativen älteren Kindern

Behandlung

Operative Therapie (Erstlinienbehandlung)

Im Gegensatz zum Erwachsenenglaukom, das zunächst medikamentös behandelt wird, ist beim kindlichen Glaukom in den meisten Fällen eine Operation die erste Wahl:

  • Goniotomie / Trabekulotomie: Öffnung des fehlgebildeten Abflusskanals von innen oder aussen. Standardeingriff beim primären kongenitalen Glaukom mit guten Erfolgsraten.
  • Trabekulektomie: Anlegen eines künstlichen Abflusses unter die Bindehaut. Wird eingesetzt, wenn Goniotomie/Trabekulotomie nicht ausreichend wirksam sind.
  • Glaukom-Drainageimplantat (Tube-Shunt): Ein kleines Röhrchen leitet das Kammerwasser unter die Bindehaut ab. Kommt bei komplexen oder bereits voroperierten Fällen zum Einsatz.
  • Zyklodestruktive Verfahren: Verödung des kammerwasserproduzierenden Gewebes mittels Laser oder Kälte (Zyklophotokoagulation, Zyklokryokoagulation). Wird als letzte Option eingesetzt.

Medikamentöse Therapie

Augentropfen (z. B. Betablocker, Prostaglandinanaloga, Carboanhydrasehemmer) werden eingesetzt:

  • Als Überbrückung bis zur Operation
  • Als Ergänzung nach einer Operation, wenn der Druck nicht ausreichend gesenkt wurde
  • Bei manchen Formen des sekundären Glaukoms

Brillenkorrektur und Amblyopiebehandlung

Da ein Glaukom im Kindesalter häufig mit Fehlsichtigkeiten und einer Sehschwäche einhergeht, ist eine begleitende Behandlung mit Brille und ggf. Okklusion wichtig.

Prognose

Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Zeitpunkt der Diagnose: Je früher behandelt wird, desto besser
  • Art des Glaukoms: Das primäre kongenitale Glaukom hat bei frühzeitiger Operation oft eine gute Prognose
  • Schwere der Hornhauttrübung und Sehnervschädigung zum Zeitpunkt der Diagnose
  • Ansprechen auf die Behandlung: Manche Kinder benötigen mehrere Operationen

Trotz erfolgreicher Drucksenkung kann eine einmal eingetretene Sehnervschädigung nicht rückgängig gemacht werden. Deshalb ist die Früherkennung so entscheidend.

Lebenslange Nachsorge

Das kindliche Glaukom erfordert eine lebenslange augenärztliche Betreuung:

  • Regelmässige Messung des Augeninnendrucks
  • Kontrolle des Sehnervs
  • Überwachung der Sehentwicklung und der Brechkraft
  • Anpassung der Behandlung bei Bedarf

Was Eltern wissen sollten

  • Ein kindliches Glaukom ist selten, aber behandelbar. Eine frühzeitige Diagnose ist der Schlüssel zum Erhalt des Sehvermögens.
  • Wenn Ihr Säugling auffallend lichtempfindlich ist, tränende Augen hat oder eine Hornhauttrübung zeigt, lassen Sie dies zeitnah augenärztlich abklären.
  • Auch nach einer erfolgreichen Operation bleiben regelmässige Kontrollen lebenslang notwendig, da der Druck jederzeit wieder steigen kann.
  • Die Behandlung erfordert Geduld und Durchhaltevermögen, aber mit konsequenter Betreuung haben viele Kinder mit Glaukom eine gute Sehprognose.