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Frühgeborenenretinopathie (ROP)
Die Frühgeborenenretinopathie, englisch Retinopathy of Prematurity (ROP), ist eine Erkrankung der Netzhaut, die bei zu früh geborenen Kindern auftreten kann. Die Blutgefässe der Netzhaut entwickeln sich normalerweise erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft vollständig.
Bei Frühgeborenen ist diese Gefässentwicklung noch nicht abgeschlossen, und es kann zu einem unkontrollierten, abnormalen Gefässwachstum kommen, das die Netzhaut schädigt und im schlimmsten Fall zur Erblindung führt.
Risikofaktoren
- Sehr geringe Schwangerschaftsdauer: Je unreifer das Kind, desto höher das Risiko. Besonders betroffen sind Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden.
- Sehr niedriges Geburtsgewicht: Kinder unter 1'500 Gramm Geburtsgewicht haben ein erhöhtes Risiko.
- Sauerstofftherapie: Die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff, die auf der Neugeborenen-Intensivstation oft lebensnotwendig ist, kann das abnormale Gefässwachstum fördern.
- Weitere Faktoren wie Infektionen, Bluttransfusionen und allgemeine Unreife des Kindes können ebenfalls eine Rolle spielen.
Stadien der Erkrankung
ROP wird in fünf Stadien eingeteilt:
- Stadium 1: Leichte Veränderung: eine Grenzlinie zwischen der vaskularisierten und der noch nicht versorgten Netzhaut.
- Stadium 2: Die Grenzlinie wird zu einer erhabenen Leiste.
- Stadium 3: Abnormale Blutgefässe wachsen von der Leiste in den Glaskörper hinein.
- Stadium 4: Teilweise Netzhautablösung.
- Stadium 5: Vollständige Netzhautablösung: schwerster Verlauf.
Zusätzlich wird die Lokalisation (Zone) und das Ausmass der Erkrankung dokumentiert. Eine besondere Form, die „Plus-Disease", zeigt sich durch erweiterte, geschlängelte Gefässe und weist auf eine aggressive Erkrankung hin.
Screening der Frühgeborenenretinopathie
Die frühzeitige Erkennung ist entscheidend. Alle Frühgeborenen, die die Kriterien erfüllen (in der Regel geboren vor der 32. Woche oder mit weniger als 1'500 Gramm), werden systematisch untersucht:
- Die erste Untersuchung erfolgt meist 4–6 Wochen nach der Geburt.
- Die Untersuchung wird von einer spezialisierten Augenärztin oder einem Augenarzt durchgeführt, oft noch auf der Neugeborenen-Intensivstation.
- Dabei werden die Pupillen erweitert und die Netzhaut mit einem speziellen Instrument (indirektes Ophthalmoskop) oder einer Netzhautkamera untersucht.
- Je nach Befund werden Folgeuntersuchungen in engmaschigen Abständen geplant.
Behandlung
Viele milde Formen der ROP bilden sich spontan zurück und benötigen keine Behandlung. Bei schwereren Stadien stehen folgende Therapien zur Verfügung:
- Laserkoagulation: Die Standardbehandlung bei behandlungsbedürftiger ROP. Mit einem Laser werden die noch nicht versorgten Randzonen der Netzhaut verödet, um das Wachstumssignal für die abnormalen Gefässe zu unterbinden.
- Intravitreale Anti-VEGF-Injektion: Ein Medikament wird direkt in den Glaskörper injiziert, das den Wachstumsfaktor VEGF hemmt und so das abnormale Gefässwachstum stoppt. Diese Methode wird zunehmend eingesetzt, insbesondere bei aggressiven Formen.
- Operative Eingriffe: Bei fortgeschrittener Netzhautablösung (Stadium 4–5) kann eine Vitrektomie (Glaskörperoperation) notwendig werden.
Langfristige Betreuung
Auch nach erfolgreicher Behandlung oder spontaner Rückbildung der ROP benötigen betroffene Kinder eine langfristige augenärztliche Betreuung. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für:
Für Eltern
Wenn Ihr Kind als Frühgeborenes auf die Welt gekommen ist, wird das Behandlungsteam die notwendigen Augenuntersuchungen organisieren. Die Untersuchung kann für Sie als Eltern belastend wirken, ist jedoch schmerzarm und dauert nur wenige Minuten.
Die rechtzeitige Erkennung und Behandlung der ROP hat die Sehprognose für Frühgeborene in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert. Halten Sie die empfohlenen Kontrolltermine unbedingt ein, auch nach der Entlassung aus dem Spital.